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Dokument Type: Doctoral Thesis
Title: Erscheinungsformen der Internationalisierung des Kinderfernsehens: Vielfalt oder Einfalt? : Quantitative und qualitative Analyse des aktuellen Programmangebots in Deutschland und Großbritannien
Authors: Rüdiger, Eva-Maria 
Institute: Fachbereich 3, Sprach-, Literatur- und Medienwissenschaften 
Free keywords: Deutschland, Großbritannien, Kultur
Dewey Decimal Classification: 791 Öffentliche Darbietungen, Film, Rundfunk
GHBS-Clases: KNXK
Issue Date: 2006
Publish Date: 2007
Abstract: 
Intentionales Kinderfernsehen transportiert spezifische Vorstellungen von Kindheit und ist ebenso politisches Objekt wie Ausdruck gesellschaftlicher Zeitströmungen. Für letztere sind die Globalisierung und Marktorientierung vieler Lebensbereiche von zunehmender Bedeutung. Auch für das Kinderfernsehen wurde immer wieder eine zunehmende Internationalisierung, Amerikanisierung, Kommerzialisierung und Vermassung, die zueinander in Beziehung gesetzt wurden, kritisch konstatiert, ohne dies mit eindeutigen Analysen zu untermauern.
Die vorliegende Arbeit hat deshalb den aktuell erreichten Grad der Internationalisierung des Kinderfernsehens und dessen Bedeutung für das Programmangebot untersucht. Als Gegenstand der Studie wurden dabei das deutsche und das britische Kinderfernsehen miteinander vergleichend in Beziehung gesetzt. Nach einer medienhistorischen, kulturellen und wissenschaftlichen Einordnung der Thematik wurde für einen künstlichen Programmmonat im Frühjahr 2003 eine quantitative Bestandsaufnahme und statistische Auswertung von 21.177 Kindersendungen in beiden Ländern erstellt. Auf Basis der darin aufgezeigten Trends wurden drei Animationsserien unterschiedlicher Provenienz qualitativ auf formale, ästhetische und inhaltliche kulturelle Implikationen – national oder international – untersucht.
Die quantitative Analyse ergibt, dass die Kinderfernsehangebote in Deutschland und Großbritannien bereits nach wenigen Monaten zu über 50 % identisch sind, während die jeweils eigenständigen Programmanteile die Minderheit bilden. Die Schnittmenge wird zu 80 % von Animationsserien bestimmt, und die dominierenden Programme stammen aus den USA, während sich aus Europa nur britische Produktionen nennenswert behaupten können. US-amerikanische Animationsserien allein machen 27 % des deutschen und 40 % des britischen Kinderfernsehangebots aus. Die Genrezusammensetzung beider Angebote ist weit-gehend identisch, obwohl das Material aus unterschiedlichen Quellen bezogen wird und die Briten stärker zu spezialisierter Programmbeschaffung neigen.
Maßgeblicher Träger der Internationalisierung, Amerikanisierung und Cartoonisierung des Kinderprogramms sind die Zielgruppenkanäle, die zu den Sendernetworks der global operierenden Medienkonzerne gehören. Werden von diesen auch nur die fünf mit der längsten täglichen Sendezeit nicht berücksichtigt, sinkt der Umfang des Gesamtangebots an Kinderprogrammen um zwei Fünftel. Gleichzeitig schrumpft die programmliche Schnittmenge bei-der Märkte auf 40 Prozent, während die europäischen Produktionen gegenüber den amerikanischen an Bedeutung gewinnen. Das wechselseitige Verhältnis des britischen und des deutschen Kinderfernsehens verschiebt sich dadurch ebenfalls: Insgesamt ist das britische Programm für deutsche Produktionen und Koproduktionen nur halb so durchlässig wie umgekehrt; ohne die Network-Kanäle sogar nur ein Fünftel so durchlässig.
Insgesamt zeigt sich eine weitgehende Internationalisierung des Kinderfernsehens, die sich in einer Homogenisierung der beiden nationalen Programmangebote und deutlicher Dominanz der Animation vor allem bei Importen und Koproduktionen äußert. Diesem Befund entspricht die inhaltliche Angleichungstendenz: Für eine erfolgreiche internationale Verwendung von Programmen ist der Verzicht auf alltagskulturelle Implikationen vorteilhaft. Dies führt dazu, dass standardisierte Produktionen in stilisierten oder phantastischen Umgebungen, mit klischeehaften Figuren und allgemeinverständlich-banalen Plots das Programm in beiden Ländern bestimmen und vereinheitlichen. Sofern doch einmal nationalkulturelle Referenzen vermittelt werden, sind diese am ehesten amerikanischen Ursprungs, da europäische Kinder aus anderen medialen Kontexten darauf vorbereitet sind.
Das gegenwärtige Kinderfernsehen ist somit weniger international als vielmehr „glocal“, es bewegt sich zwischen den beiden Polen des lokal-kulturspezifischen und des global-standardisierten Programms. Die Darstellung der weltweiten Vielfalt an Perspektiven und Themen ist dagegen bedeutungslos geworden.
Ausgehend von den Ergebnissen dieser Studie können weiterführende Untersuchungen zukünftig Auskunft darüber geben, wie sich dieses „glocalisierte“ Kinderfernsehen auf das kulturelle Bewusstsein und die Mentalitätsbildung des Kinderpublikums auswirkt.

Intentional children’s television communicates specific ideas of childhood and is subject to political debates and contemporary controversy. The latter two are increasingly reflecting the current globalization and commercial orientation across many aspects of daily life. It comes as no surprise that also for children’s television an increasing internationalization, Americanization, commercialization and loss of identity and their interrelation were critically noticed in recent years, however a dedicated analysis is overdue.
The present work is devoted to the Status Quo of internationalization in children’s television as reflected by the available program. Subject of this study is a comparative description of both the British and German program starting from a historical sketch of children’s TV. The cultural discussion and the literature are subsequently presented. For an artificial month (four disjunctive weeks) in spring 2003, 21,177 broadcasts of children’s TV from both countries are the broad statistical basis for a quantitative analysis. According to representative trends three animation series of different origin are selected and qualitatively analysed with respect to formal, aesthetic and content-related cultural indications of national or international implications.
The quantitative analysis reveals that over a few extrapolated months the available children’s TV programs in both countries share more than 50 percent common material, i.e. the independent part is the minority. Eighty percent of the common share are animation series, predominantly originating from the USA, while among European productions only those from the UK have a portion worth mentioning. American animation series provide 27 percent of the total German children’s program and even 40 percent of the British. The taste, probably best reflected by the genres is almost identical with only a difference in the providers i.e. a slightly stronger British focus on national specialties.
The main promoter of internationalization, Americanization and increasing amounts of cartoons are network channels, belonging to globally operating media companies. If only five of them (those that also broadcast at night) are omitted, the total program volume shrinks to only 60 percent of the previous value with a simultaneous reduction of the common program to only 40 percent. In addition European productions gain relevance in the remaining dataset. The mutual relation of British and German children’s TV market is also affected: Generally the British program is only half as accessible for German (co-) productions as the German program is to British (co-)productions but ignoring the network-channels this ratio drops to only a fifth.
There is a strong tendency to internationalization in children’s television as reflected by a homogenisation of both markets and a predominance of animation in imports and co-productions. This finds its correspondence in the content: to achieve a wide international distribution the abandonment of cultural references is advantageous if not mandatory. This results in standardised productions of stylised or fantastic scenarios with clichéd and stereotype characters in trivial plots that dominate and unify the program in both countries. Existing references to a national background are mostly American, probably they do not interfere with expectations as European children are prepared by other media.
The contemporary children’s television is thus more “glocal” than international; it is biparted into local, culture-specific references and a globally standardised program. The illustration of the global diversity of viewpoints and topics has become irrelevant.
Starting from these findings, further studies should address how this “glocal” children’s television shapes the cultural awareness and the mentality of the young target group.
URN: urn:nbn:de:hbz:467-2651
urn:nbn:de:hbz:467-2651
URI: https://dspace.ub.uni-siegen.de/handle/ubsi/265
License: https://dspace.ub.uni-siegen.de/static/license.txt
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