Please use this identifier to cite or link to this item: https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:hbz:467-7150
Files in This Item:
File Description SizeFormat
greiten.pdf6,54 MBAdobe PDFThumbnail
View/Open
Dokument Type: Doctoral Thesis
Title: Einblicke in Schulwelten intelligenter Grenzgänger : Fallstudien über hochbegabte Underachiever
Other Titles: Insights into school worlds of "intelligent borderline runners" : case studies on highly gifted underachievers
Authors: Greiten, Silvia 
Institute: Fakultät II Bildung, Architektur, Künste 
Free keywords: hochbegabte Underachiever, Einzelfallstudien, highly gifted underachievers
Dewey Decimal Classification: 370 Erziehung, Schul- und Bildungswesen
GHBS-Clases: HVX
HVZ
IAX
Issue Date: 2012
Publish Date: 2013
Abstract: 
In der Forschungsliteratur werden Hochbegabte als Underachiever klassifiziert, wenn sie durch Leistungsprobleme erheblicher Art auffallen. Über die Begründungszusammenhänge weiß man bisher nicht viel. Qualitativ-empirische Einzelfallstudien über hochbegabte Underachiever, die auf einer längeren Erhebungsphase beruhen, lassen sich im deutschsprachigen und US-amerikanischen Raum nicht finden. Im theoretischen Teil der vorliegenden Studie werden Grundlagen zu Konzepten der Intelligenz, der Begabung, der Hochbegabung und des Underachievements sowie mehrdimensionale Hochbegabungsmodelle dargestellt. Verschiedene Perspektiven zum Problemfeld des Underachievements Hochbegabter erweitern die theoretische Basis: Diskrepanz zwischen Hochbegabung und Leistung, besondere Persönlichkeitsfaktoren und Typenbildungen, Lern-, Leistungs- und Schulschwierigkeiten, Aspekte der Sonderpädagogik, Erziehung, Leistungsverweigerung und Verhaltensauffälligkeiten.
In der Untersuchung stehen ein Kind und ein Jugendlicher im Mittelpunkt, die über eineinhalb bzw. zwei Jahre hinweg begleitet wurden. Der methodische Rahmen ergibt sich durch den qualitativ-empirischen Forschungsansatz und Gütekriterien qualitativer Forschung. Mit Hilfe des problemexplorierenden Gesprächs als einer Form qualitativer Interviews sowie der teilnehmenden Beobachtung wurden zu den Fällen Daten erhoben. Die Datenauswertung erfolgte mit einer modifizierten Form der Inhaltsanalyse nach Mayring und mündete in falltypischen Kategoriensystemen, aus denen inhaltsanalytisch basierte Porträts mit thematisch dichten Beschreibungen aus der Sicht der beiden Jungen entstanden.
Als zentrales Ergebnis ist festzuhalten, dass die hochbegabten Jungen Kai und Marc trotz desselben Phänomens des Underachievements sehr unterschiedlich mit ihren schulischen Schwierigkeiten umgehen und diese auch unterschiedlich deuten, dass es aber Gemeinsamkeiten in schulfachlichen Lern- und Leistungsproblemen gibt und es bei ihnen nicht nur um Leistungsprobleme geht, sondern auch um schwerwiegende Lern-, Leistungs- und Schulschwierigkeiten: Bei Kai bewirkt die Hochbegabung Selbstzweifel, weil er davon ausgeht, dass Hochbegabte auch Hochleister sein müssen. Als Ursache für seine Schwierigkeiten deutet er das Überspringen der dritten Klasse. Die Hochbegabung erzeugt auf zweifache Weise ein Anderssein – er erlebt sich im Kreis der Hochbegabten als unnormal, weil er als Hochbegabter nicht die erwarteten Leistungen bringt. Im Kreise seiner Mitschüler erlebt er sich ebenfalls als unnormal, weil er in der Schule oft scheitert. Begleitet werden die schulischen Schwierigkeiten von einer hohen emotionalen Instabilität. Sein schulischen Erfahrungen sind mit Leistungsdruck, Leiderfahrung, Selbstzweifel, Perfektionismusstreben, Hilf- und Machtlosigkeit, Resignation, Angst vor Selbstwerterniedrigung und Problemabwehr belastet. Die Schule wächst zu einem unüberschaubaren Problem heran. Im Gegensatz zu Kai erlebt Marc seine Hochbegabung eher positiv. Als zentrales Attribut Hochbegabter konstatiert er eine besondere Denkfähigkeit. Für sich zieht er die Schlussfolgerung, durch die Hochbegabung selbstbewusster und alltagstauglicher zu sein als andere Menschen. Dadurch nimmt er auch ein Anderssein wahr, aber nicht im negativen Sinne. Ebenso wie Kai erlebt er die schulischen Rahmenbedingungen als Behinderung seiner schulischen aber auch persönlichen Entwicklung. Ein systematisches Lern- und Arbeitsverhalten habe er nicht aufgebaut und durch die dauerende Unterforderung sei er irgendwann überfordert gewesen. Schulische Schwierigkeiten ergeben sich in den Fremdsprachen, der Rechtschreibung und ab der Oberstufe bei sehr abstrakten Inhalten in Mathematik und Naturwissenschaften. Als Hauptprobleme kristallisieren sich seine kritische Grundhaltung und sein komplexes Denken heraus. Sie erzeugen während des Unterrichts Schwierigkeiten, wenn er sich mit Inhalten intensiver und kritischer auseinandersetzen möchte. Marc bezeichnet sich trotz seiner misslichen Lage als Optimist und beschreibt sich als „Minimalist“ und „Grenzgänger“, der in dem schulischen System so lange mit seinen Haltungen durchkam, bis ihm Grenzen aufgezeigt wurden.
In beiden Fällen rückt die Schule als System in den Mittelpunkt. Daraus ergibt sich zum einen die Forderung nach einer schulpädagogischen Perspektive auf das Forschungsfeld zu hochbegabten Underachievern und zum anderen nach qualitativ-empirischen Einzelfallstudien, da durch sie Denk- und Verhaltensmuster der Betroffenen und individuelle Begründungen für das Aufkommen schulischer Schwierigkeiten dokumentiert und mit Erkenntnissen aus der Hochbegabtenforschung verglichen werden können. Es geht nämlich nicht nur um die offensichtlichen Leistungsschwierigkeiten sondern vor allem um das schulsystemische Bedingungsfeld. Es lässt sich das Fazit ziehen, dass die schulpädagogische Forschung über hochbegabte Underachiever erst am Anfang steht.

Gifted students standing out because of their serious problems of performance are classified as underachievers by research literature. Established knowledge on interrelations of the reasons for these problems has hardly been available so far except a few studies that are able to supply some indications. Qualtitative-empirical individual case studies on highly gifted underachievers based on a long-term phase of data collection cannot be found in German language or U. S. American literature.
The theoretical part of this study supplies basic information on concepts of intelligence, giftedness, high giftedness and underachievement as well as multidimensional models of giftedness. The theoretical basis is amplified by various perspectives on the problem field of highly gifted underachievers: Discrepancy between giftedness and performance, especially factors of personality and type formation, difficulties of learning and performance and classroom problems, aspects of special pedagogics, education, refusal of performance and behavioral disorders.
The study is focused on the development of a child and an adolescent person within a period of one and a half and two years respectively. The methodical framework results from the qualitative-empirical research approach and the quality criteria. The data collection for the two cases is based on the problem exploring interview as a kind of a qualitative conversation and on a participant observation. The data evaluation was performed by means of a modified form of analysis of contents according to Mayring resulting in systems of categories related to the case types. Thus portraits were created containing dense descriptions that are based on the perspective of the two boys.
The essential result is that the two highly gifted boys are handling and interpreting their school problems quite differently, and that they also have something in common as far as problems of learning and performance are concerned. They are not only faced with problems of performance but also with serious difficulties of learning, achievement and classroom conditions.
In the case of Kai self-doubt arises due to his giftedness as in his opinion gifted students also have to be high achievers. He thinks that skipping the third grade at school was the reason for his difficulties. Giftedness creates two kinds of otherness at once – he perceives himself as abnormal in the circle of highly gifted students. In the circle of his classmates he also perceives himself as abnormal because of his frequent failures at school. The classroom difficulties are accompanied by a high emotional instability. His school experience is connected with the pressure to perform, the perception of suffering, self-doubts, pursuit of perfection, helplessness and powerlessness, resignation, fear of self-worth degradation and problem rejection. School is evolving into an unmanageable problem.
In contrast to the case of Kai Marc is looking upon his giftedness quite positively. In his opinion special reasoning powers are a central accessory of gifted persons. He considers himself to be more self-assured and more suitable to manage everyday life than others. Thus he also perceives an otherness but without any negative connotation. Just as Kai he thinks that the determining conditions at school are an obstacle for his classroom progress and also for his personal development. He had’ nt established any systematic study and work habits and the constant underchallenge eventually turned out to be an overchallenge. Classroom difficulties arose in foreign languages, orthography and at the advanced level in comprehending very abstract contents of mathematics and natural sciences. However, his critical disposition and his complex way of thinking figure out to be his main problem. They are responsible for classroom difficulties whenever he tries to deal with the contents more intensively and critically. In spite of his unfortunate situation Marc characterizes himself as an optimist and he describes himself as a “minimalist” and a “borderline runner”, who succeeded in passing through the school system following his attitude as long as being faced with clear boundaries.
In both cases school as a system is edging closer to the middle. As a consequence there is a need of a school pedagogical perspective on the field of research on highly gifted underachievers on the one hand and of qualitative-empirical individual case studies on the other hand, that offer the possibility of documenting behavior patterns and mind-sets of the concerned persons in order to be able to compare them with established knowledge of research on highly gifted persons afterwards. Thus it is not only a matter of the obvious problems of performance but above all of the determining conditions of the school system. That is why it can be concluded that school pedagogical research on highly gifted underachievers is just at the beginning.
URN: urn:nbn:de:hbz:467-7150
urn:nbn:de:hbz:467-7150
URI: https://dspace.ub.uni-siegen.de/handle/ubsi/715
License: https://dspace.ub.uni-siegen.de/static/license.txt
Appears in Collections:Hochschulschriften

This item is protected by original copyright

Show full item record

Page view(s)

1,024
checked on Oct 29, 2020

Download(s)

528
checked on Oct 29, 2020

Google ScholarTM

Check


Items in DSpace are protected by copyright, with all rights reserved, unless otherwise indicated.